Gesellschaft
Bildungswesen
In Australien besteht für Kinder zwischen sechs und fünfzehn Jahren Schulpflicht. Das Erziehungswesen leigt in der
Verantwortung der Regierungen der Bundesstaaten und wird von ihnen finanziert.
Der normale Ausbildungsgang beginnt mit dem Kindergarten oder einer einjährigen Vorschule. Es folgt der Besuch der
Grundschule, bevor in der 7. bzw. 8. Klasse der Wechsel zur Sekundarstufe erfolgt. Insgesamt umfaßt die Ausbildung 12
Schuljahre. Man kann zwar bereits nach dem zehnten Schuljahr abgehen, aber nur der abschluß nach dem 12. Jahr
berechtigt zum Besuch von Universität oder College.
Der Anteil der privaten Schulen ist recht hoch. Obwohl diese relativ teuer sind, werden sie von etwa 30% aller Schüler
besucht. Träger sind meist Religionsgemeinschaften. Es gibt zudem von Volksgruppen betriebende Privatschulen, die sich
den Fortbestand der jeweiligen Sprache und Kultur zur Aufgabe gemacht haben.
Die Berufliche Aus- und Weiterbildung wird von technischen und weiterbildenden Lehranstalten, den sogenannten TAFE-Colleges
(Technical And Further Education) durchgeführt. Neben der praktischen Ausbildung wird hier ein
berufsbegleitender Unterricht wie an deutschen Berufschulen angeboten.
Ein Studium kann wie in Deutschland entweder an einer der über 200 autonomen Universitäten oder an einer
Fachhochschule absolviert werden. Die Fachhochschulen sind weit praxisorientierter als die Universitäten.
Eine Universitätsstudium dauert 3 - 4 Jahre bis zum "bachelor degree" und 5 - 6 Jahre bis zum
"master degree". Um den Doktor-Titel zu erlangen, braucht man 6 - 7 Jahre.
In Bezug auf internationale Forschungsprojekte sind die Länder der Europäischen Union die Hauptpartner der
australischen Universitäten.
Im Bildungswesen gibt es eine dem " Royal Flying Doctor Service" vergleichbare Besonderheit, die auch von den dort
gemachten Erfahrungen profitiert, die "School of the Air". 1951 rief die Schulrätin Adelaide Miethke den
Fernunterricht per Schulfunk ins Leben. Kinder auf abgelegenen Farmen, in Fischerei-, Bergbau- oder Straßenbaulagern
sowie in Aboriginal-Siedlungen und auf Reisen bekommen hier Unterricht. Kinder, deren Eltern beim Militär oder in
Regierungsstellen im Ausland arbeiten, sind ebenfalls an die School of the Air angeschlossen, wenn die Eltern möchten,
daß ihre Kinder nach dem australischen Schulsystem ausgebildet werden.
Die School of the Air umfaßt die Vorschule und die Primary School bis zur siebten Klasse, d.h. bis zu einem Alter von
zwölf Jahren. Zweimal in der Woche erhalten Gruppen von Kindern gleichen Bildungsstandes Unterricht per Radio.
Ansonsten schickt die Schule schriftliche Arbeiten per Post und korregiert sie auch auf diesem Weg. Die Kinder werden meist
von ihren Eltern betreut; in seltenen Fällen stellen die Eltern einen arbeitslosen Pädagogen ein.
Zusätzlich werden Camps organisiert, so daß sich die Kinder einer Gruppe kennenlernen. Der Lehrer kommt
jährlich für zwei bis drei Tage zu Besuch. Lernmaterial wird von der Schule bezahlt. Computer für ältere
Schüler können ausgeliehen werden.
Für Eltern werden ebenfalls Kurse angeboten, damit sie ihre Kinder bestmöglich unterstützen können.
Meetings, wo Probleme aller Art diskutiert werden, stehen den Eltern zuzätzlich offen.
Der Abschluß der School of the Air entspricht im Anspruch dem der öffentlichen Schulen. Ab der achten Klasse kann
die Ausbildung durchaus auch weiterhin mit Hilfe von per Post zugeschickten Materialien erfolgen, aber die meisten
Schüler wechseln in diesem Alter auf eine Internatsschule, um dort die High School Reife zu erlangen.
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